Der nahe Osten
Sonntag, der 8. April 2012, 08:57 Uhr von
Bauch-Redner
Ich will mich nicht als Spezialist für Fragen des nahen Ostens bezeichnen, aber ich verfolge den Konflikt schon mehrere Jahrzehnte. Die Gegend war schon immer ein Pulverfass, aber jetzt hält jemand die Streichhölzer in der Hand. Und zwar beide Seiten. Die Drohungen des Iran gegen Israel sind meiner Meinung nach nur Säbelrasseln, welche nur die inneren Probleme des Iran kaschieren sollen. Wie in Diktaturen üblich, denn in meinen Augen ist der Iran eine Diktatur, werden innere Probleme gerne nach außen projiziert. Israel sollte auf keinen Fall den Fehler begehen, auf diese verbalen Blähungen mit päventiven Maßnahmen zu reagieren. Man darf hier nicht die Diplomatie durch die Mittel des Krieges ersetzen. Da hat Grass ganz recht. Wir würden an den Rand des 3. Weltkrieges gedrängt und damit ja wohl an den Rand des Abgrunds.
Es geht hier nicht nur um die Existenz eines Staates, sondern um die Existenz der Menschheit. Das Szenario dürfte klar sein: Israel und die USA (und damit auch die NATO) auf der einen Seite und wer auf der anderen? Russland und China sind vollkommen unbekannte Größen. Das hat man bei der Abstimmung im Sicherheitsrat gesehen. Aber man weiss, dass sie ihre eigenen Interessen verfolgen, sowohl politische, als auch und vor allem wirtschaftliche. Zur Zeit des kalten Krieges waren die Fronten klar abgesteckt. Heute sind andere Interessen im Spiel. Russland ist wirtschaftlich im Kommen und trauert einstiger militärischer Größe hinterher, und China ist sowohl wirtschaftlich, wissenschaftlich als auch militärisch eine Weltmacht. Wenn die sich im Falle eines bewaffneten Konflikts auf die Seite des Iran schlagen, stehen wir so dicht vor einer Katastrophe, wie seit der Kubakrise nicht mehr. Ausser acht lassen darf man auch nicht terroristische Gruppen, die auch bei den Verbündeten ein Feuerwerk entzünden würden, was natürlich in den betroffenen Ländern einen Rattenschwanz an Überwachungsmaßnahmen nach sich ziehen würde. Das wiederum würde die Demokratie in diesen Ländern untergraben, was wiederum Proteste unter den Bevölkerungen auslösen würde. Man sieht also, dass Israel durchaus den Weltfrieden in der Hand hält.
Man kann nur die Hoffnung haben, dass sich alle Beteiligten der Vernunft beugen und ihre Kriegsspielzeuge in den Arsenalen lassen. Wie heisst es? Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Geschrieben in Die Welt |
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